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Brief von Heiko van der Scherm |
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Friday, 30 May 2008 |
Hi Phallus Dei Fans!
Der Grund warum der Film schon für letztes Jahr angekündigt war und
nicht wie geplant fertiggestellt werden konnte, erfordert es dass ich
ein bisschen weiter aushole. Ich habe an der Filmakademie studiert.
Genauer gesagt am Animations Institut der Filmakademie. An diesem
Institut ist es den Studenten verboten Filme in Feature-Länge zu
produzieren, da sie eigentlich nicht dafür ausgebildet sind und
angenommen wird, dass sie weder die Risiken einschätzen, noch das
finanzielle Gewicht stemmen könnten. Nichtsdestotrotz habe ich mich
mit meinem Co-Produzenten Holger Schönberger dazu entschlossen diesen
Schritt zu wagen, selbst auf die Gefahr hin mein Studium zu
vernachlässigen und aus der Filmakademie ausgeschlossen zu werden. Man
untersagte mir als Konsequenz auf meine Entscheidung, dass ich nicht
die Erlaubniss hätte die Filmakademie-Ressourcen für die
Postproduktion meines Langspielfilmes "Sommertag" zu nutzen und dass
auch dieser Film nicht als Diplomfähiges Material angesehen werden
könnte, da er einen Präzedenzfall erzeugen würde nach dem man den
Studenten des Animationsinstituts erlauben müsse nach meinem Vorbild
eben doch diese Art von Projekten angehen zu dürfen. Ausserdem teilte
man mit mit, dass ich eine Nachprüfung abzuleisten hätte und dass ich
im Falle des Versagens ausgeschlossen werden würde. Zudem wurde mir
aufgetragen ein anderes Diplomprojekt zu wählen. Diese Umstände
zwangen mich dazu, nicht wie geplant den Film im Jahr 2005 zu beenden
sondern ein neues andersartiges Projekt aufzubauen, welches im
Hinblick auf mein Animationsstudium als adequat zu bezeichnen wäre.
Dies brachte mich dazu den Film "Descendants" zu planen.
Dies erwies sich als ein unglaublicher Erfolg, denn ich wurde der
erste Student der Welt, der eine Oskar Prämierte Schauspielerin für
einen Studentischen Kurzfilm gewinnen konnte. Diese Person ist Whoopi
Goldberg. Sie ist in der Top 10 der am meisten bekannten Personen der
Welt. Ausserdem konnte ich einige hochkarätige Künstler für die
Umsetzung des Filmes gewinnen und zwar schon bevor klar war dass Mrs.
Goldberg an dem Film partizipiert. Diese Personen sind zum Beispiel
Holger Schönberger, Goro Fujita, Felix Graf, Bernhard Haux, Helge
Mathee, Markus Schmidt, Tobias von Burkersroda, Stephan Stölting.
Alles mehrfach Preisgekrönte Künstler. Alle haben sich einverstanden
erklärt unentgeltlich unter Aufwendung persönlicher Finanzieller
Ressourcen dieses Projekt an sein Ziel zu führen. Dies stellt eine
unfassbar selbstlose und an idealistischer Bedeutsamkeit kaum zu
überbietende Leistung eines jeden einzelnen dar.
Da wir uns mit diesem
Film an die Grenze der Technischen machbarkeit vorwagten und absolut
neue Wege beschreiten mussten um unser Ziel zu erreichen, blieben uns
herbe Verzögerungen und Misserfolge nicht erspart. Wir verpassten
nicht nur die Deadline für Cannes sondern auch für die Oskars im Jahr
2007. Dies zog schwere Konsequenzen sowohl persönlicher- wie auch
finanzieller Natur nach sich. Schon Monate vor Ende der
Produktionszeit war ich mit einem 5 Stelligen Betrag verschuldet, da
es mir nicht möglich war zu Arbeiten um meinen Lebensunterhalt zu
verdienen, da ich jeden Tag für "Descendants" zur Verfügung stehen
musste. Auch die anderen Mitarbeiter verschuldeten sich und blieben
auf Kurs. Mit vereinten Kräften konnten wir die Probleme lösen. Einige
davon will ich nun zum besseren Verständniss der Sachlage hier
aufführen: Animation, bzw. einfügen der Animationskontrollen: In
Descendants haben wir eine Spezies zum Leben erweckt, zu der es keine
Animationsspezifischen Referenzen gibt: Blumen. Kein Mensch weiss wie
sie sich bewegen oder wie man "realistischerweise eine Blume zu
Bewegen hat". Da dies unbekannt ist, ist es beinahe unmöglich
geeignete Animationskontrollen (Sprich ein "Skelett") zu entwickeln
das die Bewegung der Blumen erst möglich macht. Bernhard Haux, der
Rigging Artist kann als absoluter Profi auf diesem Sektor bezeichnet
werden. Trotzdem kostete es ihn 18 Monate geeignete Riggs zu entwerfen
mit denen Bewegungen erzeugt werden können die die Charaktere
Lebensecht erscheinen lassen.
Die Animation verlief gemessen am Pensum der zu bewältigenden Menge an
Arbeit relativ reibungslos, wenn auch immer wieder Probleme mit den
Riggs auftauchten und die beiden Haupt-Animatoren Goro Fujita und
Felix Graf eine schier unendliche Menge an Aufgaben zu erledigen
hatten. Ausser der Animation investierten sie ihre Zeit in die
Farbliche Gestaltung der Protagonisten, sowie in die Technische
Umsetzung von Fell.
Das zweite Hauptproblem das ich anführen will, ist
die Datenmasse die erzeugt wurde durch die Menge an dargestellter
Geometrie. Diese viel so hoch aus, dass selbst über 200 Computer nicht
ausreichten um die Finalen Bilder zu rendern. Wir setzten Renderfarmen
in Ludwigsburg, Hamburg, London, New York und Los Angeles ein die uns
täglich ihre Ergebnisse zur Überprüfung zuschickten. Wir waren
gezwungen unsere Wach-Zeiten an die Zeit in den USA anzupassen und
dann wieder an die von Mitteleuropa, je nachdem aus welchem Land
Ergebnisse eintrafen. Dies führte zu Schlafstörungen in der gesammten
Crew, die dennoch weiterhin ihre Pflichten wahrnam und keine Minute
Pflichtvergessen handelte. Wir begingen über 2 Jahre absoluten Raubbau
an unserer Gesundheit um dieses Pensum zu überwinden. Wir arbeiteten 3
Jahre an einem Film mit einer gesammtlänge von 14:30 min. Machmal eine
ganze Woche für 2 sekunden Film. 10 Mann, 12 Stunden Täglich. In dem
Film "Descendants" stecken 30 Menschliche Lebensjahre. Ich habe hier
nur 2 von duzenden Problemen geschildert mit denen wir konfroniert
waren. Wenn man sich jedoch den Film anschaut wird jedermann zugeben
müssen dass es der Mühe wert war. Ohne falschen Stolz kann man
behaupten, dass "Descendants" sich vor keiner Konkurrenz zu fürchten
braucht. Ob nun vor Studentischer Arbeit oder vor professionellen
Arbeiten von Pixar, Blur oder Sony. Wir haben einen Film hergestellt
für den z.B. Sony 4.000.000 Dollar investieren müsste um es uns
nachzumachen.
Im Hintergrund arbeitete mein Cutter Carsten Eder nicht nur an
Descendants mit, sondern erlangte auch einige Reputation mit dem
Schnitt von bekannten deutschen Filmen und Serien. Unter anderem mit
"Flucht und Vertreibung", dem höchst Bugetierten Fernsehzweiteiler in
der Deutschen Fernsehgeschichte. Carsten sammelte im Hintergrund
Erfahrungen für den Schnitt unseres Projektes, da "Sommertag" aufgrund
seiner nicht-linearen, und nicht-chronologischen Erzählstruktur einen
weit höheren Schwierigkeitsgrad aufweist als alles andere an dem er
bis jetzt gearbeitet hat. Wäre der Film in 2004 ohne diese Erfahrungen
geschnitten worden könnten wir nicht den Qualitativ hochwertigen Film
herstellen den wir nun im Begriff sind zu vollenden. Wir haben es
verstanden aus der Not eine Tugend zu machen und die Zeit bestmöglich
zu nutzen. Eine Beschleunigung all dieser Aktivitäten ist aus
obengenannten Gründen unmöglich. Erst im März dieses Jahres ging die
Produktionszeit von "Descendants" zuende. Holger Schönberger hat im
ALLEINGANG die finalen Schritte ausgeführt, um mir zu ermöglichen, den
Teil meiner Schulden den man als absolut akut bezeichnen kann
abzuarbeiten. Alleine in den letzten 2 Monaten habe ich durchgehend
beinahe 12 bis 16 Stunden täglich gearbeitet um wieder 2 Monate atmen
zu können um mich an den Schnitt von Sommertag setzen zu können.
Descendants wurde mittlerweile zu einem der grössten Filmfestivals der
Welt nach Seoul in Korea eingeladen. Der Film hat mittlerweile einen "Jury Special Award" in Korea gewonnen und ist in Spanien beim "Mundos Digitales Festival" unter den besten 5 Filmen.
Wir arbeiten an der
Fertigstellung von Sommertag. Ohne einen Tag Ruhe und unermüdlich.
Auch danach wird auf unserer Seite wieder Holger Schönberger an den
Bildern feilen.
In diese Runde aus Individualisten und Idealisten gesellt sich nun
auch Phallus Dei, die selbstlos ihren Teil beitragen. Aufgrung meiner
Vorrede wird offensichtlich, dass man sich mit Prognosen bei dieser
Art von Projekten tunlichst zurückhalten sollte. Jedoch sehe ich es
als absolut möglich an, dass Sommertag in diesem Jahr fertig gestellt
wird. Ich würde den Spätsommer im Auge behalten. Wenn ihr als Phallus
Dei Fans irgendeine Frage habt, dann könnt ihr sie mir direkt an
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schicken. Ich werde sie gerne beantworten.
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